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EFQM 2017

04. Mai 2020

Lesungen aus verbrannten Büchern

Der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Dr. Ludwig Spaenle, liest heute in der Volkshochschule Fürth aus dem Essay "Mein Weg als Deutscher und Jude" von Jakob Wassermann. Die Lesung wird am 11. Mai um 19.30 Uhr auf vhs.daheim ausgestrahlt.

Der Bayerische Volkshochschulverband, der Bayerische Bibliotheksverband und der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Dr. Ludwig Spaenle, haben 2019 eine enge Zusammenarbeit und gemeinsames Engagement gegen den in Deutschland wieder erstarkenden Antisemitismus vereinbart. Ein Projekt, das in diesem Zusammenhang entstanden ist, sind die „Lesungen aus verbrannten Büchern“ anlässlich des Jahrestags der faschistischen Bücherverbrennung im Mai 2020. Dr. Ludwig Spaenle übernahm die Schirmherrschaft für diese Veranstaltungsreihe und bot an, selbst aus dem Essay „Mein Weg als Deutscher und Jude“ des in Fürth geborenen Schriftstellers Jakob Wassermann in der vhs Fürth zu lesen. Die Stadt Fürth vergibt alle zwei Jahre einen nach Jakob Wassermann benannten Literaturpreis, verfügt über ein bedeutendes jüdisches Museum und zwei eng kooperierende demokratische Bildungseinrichtungen, die Volkshochschule und die Volksbücherei. Da die Veranstaltung mit der Lesung von Ludwig Spaenle und einem moderierten Gespräch leider nicht mit vor Ort präsentem Publikum stattfinden kann, werden die Veranstalter sie am 4. Mai in Fürth aufzeichnen und am 11. Mai um 19.30 Uhr auf dem Bildungskanal der bayerischen Volkshochschulen vhs.daheim ausstrahlen.
„Die Volkshochschulen sind seit ihrer Gründung untrennbar mit gelebter Demokratie verbunden. Ihre Bildungsarbeit fördert einen respektvollen Umgang und ein humanes Miteinander. Sie sind offen für alle, aber nicht für alles: Rassistische, antisemitische und menschenverachtende Auffassungen haben an Volkshochschulen keinen Platz“, so der Vorsitzende des Aufsichtsrats des Bayerischen Volkshochschulverbands Dr. Klaus Meisel. Der Vorstand des bvv hat sich im Sommer 2019 – wie die Bundesregierung – der Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) angeschlossen, in der es heißt: „Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.“ Die IHRA-Definition ist für die Volkshochschulen Anregung und Vorbild, entsprechende Inhalte und Formate in ihrer Bildungsarbeit umzusetzen. In Fürth gibt es eine besonders lebendige Kooperation zwischen der Volkshochschule und der örtlichen Bibliothek. Diese Kooperation liegt jedoch auch andernorts den Akteuren der beiden Einrichtungen, die sich als Orte der Bildung und der Demokratie verstehen, am Herzen, und wird von den beiden Verbänden mit vielerlei Aktivitäten gefördert.
Die Volkshochschulen mussten aufgrund der Kontaktbeschränkungen, die zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlassen wurden, ihre Präsenzveranstaltungen seit Mitte März absagen. Getreu dem Motto „Volkshochschule, jetzt erst recht“ haben zahlreiche Volkshochschulen in Bayern und der Bayerische Volkshochschulverband innerhalb kürzester Zeit ein vielseitiges Online-Angebot auf die Beine gestellt. In dessen Rahmen läuft auch die Ausstrahlung der Veranstaltung in Fürth. In der Woche vor dem Sendetermin (11. Mai) können Sie z.B. im Programm vhs.daheim am 5. Mai ein Gespräch mit Professor Ulrich Wehler zum Kriegsende verfolgen; einen Vortrag mit Dr. Philipp Lenhard vom Lehrstuhl für jüdische Kultur und Geschichte zu modernem Antisemitismus am 6. Mai und ein Gespräch mit Ralf Nestmeyer, Writers in Prison, über Verfolgung von Autoren heute, am 10. Mai.

"Wir freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit anlässlich des Gedenkjahres ‚1700 Jahre Judentum in Deutschland‘ unter Beteiligung der knapp 200 Volkshochschulen in Bayern“, so Ruth Jachertz, Referentin für Gesellschaft und Kultur beim Bayerischen Volkshochschulverband, anlässlich der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zwischen Dr. Ludwig Spaenle und Prof. Dr. Klaus Meisel. Nächstes Jahr – wenn es hoffentlich auch wieder Veranstaltungen ‚in echt‘ geben wird, feiern die jüdischen Gemeinden in Deutschland das Gedenkjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Dann wird Dr. Spaenle persönlich in Penzberg lesen, wo eine ähnliche Lesung vereinbart und jetzt um ein Jahr verschoben wurde.