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EFQM 2017

21. März 2018

Dokumentation der Regionalkonferenz Alphabetisierung

Hier finden Sie zum Download das Programm und die Beiträge der Regionalkonferenz Alphabetisierung und Grundbildung "Perspektiven schaffen für mehr Partizipation".


Dokumentation der Regionalkonferenz Perspektiven schaffen für mehr Partizipation am 21. März 2018 im Einstein 28 in München:

Der Bayerische Volkshochschulverband e.V. (bvv) und die Nationale Koordinierungsstelle Europäische Agenda für Erwachsenenbildung haben in Kooperation mit dem Bayerischen
Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst und der AlphaDekade 2016-2026 die Regionalkonferenz "Perspektiven schaffen für mehr Partizipation" am Mittwoch, den 21. März 2018 veranstaltet. Die Regionalkonferenz wurde moderiert von Werner Reuß, Leiter des trimedialen Programmbereichs Wissen und Bildung beim Bayerischen Rundfunk/ARD-alpha.

Podiumsdiskussion: v.l.n.r. Hans Georg Rosenstein, Karin Küßner, Prof. Dr. Anke Grotlüschen, Dr. Simone C. Ehmig, Werner Reuß, Ralf Holtzwart, Prof. Dr. Klaus Meisel, Dr. Guido Klinger.

MDir Herbert Püls, Ministerialdirektor im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, erläuterte die Vernetzung für Alphabetisierung auf nationaler Ebene im Rahmen der Kultusministerkonferenz (KMK), der AlphaDekade 2016-2026 und der europäischen Agenda für Erwachsenenbildung. 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland, die nicht ausreichend lesen und schreiben können, verlangen nach bedarfsgerechten Lernangeboten. Bedarfsgerecht heißt, die Erwachsenen mit Alphabetisierungsbedarf tatsächlich zu erreichen. Künftig gilt es, die Potenziale für Verbesserungen genau auszuloten und umzusetzen. MDir Herbert Püls unterstrich zum Abschluss seiner Begrüßung leidenschaftlich die gesellschaftliche Dimension des Themas: „Alphabetisierung bedeutet nicht nur umfassende gesellschaftliche Teilnahme, sondern selbstbestimmtes Leben." Link zum Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus (bis 21.03.2018: Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst).


Prof. Dr. Klaus Meisel, 1. Vorsitzender des Bayerischen Volkshochschulverbandes und Managementdirektor der Münchner Volkshochschule, hebt die Bedeutung der Übergangsberatung in der Grundbildung hervor. Dabei spielt der Übergang vom informellen Lernen hin zum sozialen Lernen eine zentrale Rolle. Alphabetisierung, Brückenkurse, Vorkurse und Lernberatung bilden zentrale Eckpfeiler für Grundbildung und den zweiten Bildungsweg. „Wir verzeichnen Erfolge, aber wir dürfen uns vor dem Hintergrund der großen Herausforderung nicht blenden lassen. Ohne eine nachhaltige institutionelle Förderung werden wir die Grundbildungsaufgabe nicht bewältigen können“, so Meisel.


Karin Küßner, Leiterin der Koordinierungsstelle der Dekade für Alphabetisierung, lobte die aktive Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern. Dabei geht es um Abstimmungen für ein konkretes Arbeitsprogramm und Maßnahmenpakete. Eine große Herausforderung bildet die Strukturentwicklung. Hierzu gehört die Frage, wie es gelingt, die hervorragenden Ergebnisse von Förderprojekten in Regelstrukturen zu überführen. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor hierfür ist die aktive Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bildungsträgern, Mehrgenerationenhäusern, Sozialpartnern und Verbänden vor Ort. Gut vorstellbar ist auch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, z.B. zwischen den Ressorts Bildung und Gesundheit.Weiterführender Link zur AlphaDekade 2016-2026


Prof. Dr. Anke Grotlüschen, Universität Hamburg, stellte die neue LEO Grundbildungsstudie vor. Literale Kompetenzen und Praktiken werden für digitale, gesundheitliche, finanzielle und politische Grundbildung untersucht in den Bereichen Arbeit, Familie, Erstsprache / Migration und Weiterbildung. Der Pretest ist abgeschlossen. Befunde der Studie sind im April 2019 verfügbar. Ein Vergleich zwischen der LEO Level One Studie und der LEO Grundbildungsstudie ist möglich, obwohl letztere wesentlich mehr und andere Fragen umfasst. Die Erhebungen werden wie bei der ersten Studie schriftlich face to face durchgeführt. Spannend ist die digitale Grundbildung. Auf Basis des Pretests hält Grotlüschen fest: „Kulturpessimismus ist unnötig. Durch das Internet geht unsere Sprache nicht kaputt.“ Witz, Aufmerksamkeit, Schnelligkeit und Feedback kennzeichnen das digitale Schreiben. Digitales Schreiben ist nur ein anderes „Register“ als z.B. das Verfassen von Aufsätzen zum Nachlesen. Es geht heutzutage darum, die verschiedenen Register zu beherrschen. Welche Rolle die Digitalisierung für die Literalität von Erwachsenen spielt, ist eine der spannenden Fragen der LEO-Grundbildungsstudie! Link zur LEO-Grundbildungsstudie


Dr. Simone C. Ehmig vom Institut für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen stellte die bisherigen Ergebnisse des Forschungs­projektes „REACH – REaching young adults with low ACHievement in literacy“ vor. Wie erwartet, sehen Personen mit Kompetenzen auf dem Alpha Level 3 wenig Veranlassung für Verbesserungen der eigenen Kompetenzen, obwohl diese die Ausbildungs- und Berufschancen erhöhen, die Lebenswegplanung und die Bildungschancen der Kinder. Einige Befunde über die untersuchten 16 bis 35-Jährigen liegen vor, aus denen sich Wege zur Ansprache ableiten lassen. So deuten die Einstellungen der „REACH-Gruppe“ zur Zukunft eher auf ein fremd- als selbstbestimmt empfundenes Leben hin, in dem Talent, Schicksal, Glück über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Potenziale für die Motivation zur Weiterbildung sind gegeben, müssen aber möglichst früh und in verschiedenen Lebensbereichen aktiviert werden. Link zum Forschungsprojekt REACH


Hans Georg Rosenstein, Leiter der Koordinierungsstelle für die Europäische Agenda Erwachsenenbildung, betont die große Rolle der Grundbildung für eine deutliche Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland und Europa. Das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ unterstützt das Personal in der Erwachsenenbildung für Fortbildungen, Erfahrungsaustausch und Know-how Transfer in ganz Europa. Zur Alphabetisierung und Grundbildung werden in nahezu allen Ländern der Europäischen Union Projekte entwickelt und durchgeführt. Weiterführende Links: Europäische Agenda Erwachsenenbildung und das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ Erwachsenenbildung


„Der moderne Sozialstaat schafft ausreichend Beschäftigung“, stellt Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern, einleitend fest. In Bayern gelingt dies recht gut. Allein im letzten Jahr blieben 16.000 Ausbildungsstellen unbesetzt und 80% der Arbeitslosen werden ohne weitere Qualifizierung direkt in Beschäftigung vermittelt. Alphabetisierung stellt sich für die Jobcenter nicht als Aufgabe dar. Sie wird dann relevant, wenn Lesen, Schreiben und Rechnen für den Anschluss an die Anforderungen der infrage kommenden Arbeitsplätze erforderlich sind. Holtzwart wirft in diesem Zusammenhang die ketzerische Frage auf, ob Lesen und Schreiben in Zeiten der Digitalisierung tatsächlich noch zu den Kulturtechniken der Zukunft zählen? Curriculum Vtae Ralf Holtzwart.