Login
EFQM 2017

Kultur: Der Sinn fürs Schöne

Kunst und Kultur sind elementarer Bestandteil einer allseitigen Persönlichkeitsentwicklung und Allgemeinbildung. Sie sind unverzichtbar für ein selbstgestaltetes, erfülltes und gelingendes Leben. Seit den Anfängen der Volkshochschulen ist kulturelle Bildung ein selbstverständlicher Teil ihres Angebots.

Kunst- und Kulturtechniken praktisch erlernen und erleben
Bürgerinnen und Bürger aller Altersstufen artikulieren ein starkes Bedürfnis, ihre künstlerischen und gestalterischen Potenziale zu entwickeln, neue Erfahrungsräume zu erschließen und / oder sich künstlerisch-kulturelles Wissen anzueignen. Volkshochschulen ermöglichen es, Wissen und Fähigkeiten in den Bereichen Kunst und Kultur zu günstigen Preisen und frei von Zugangsvoraussetzungen zu erwerben. Sie machen da weiter, wo Schule aufhört. Ähnliche Qualität und entsprechenden Umfang leisten sonst nur noch Hochschulen und Kunst-Akademien. An Volkshochschulen können alle künstlerischen Sparten in Theorie und Praxis erlernt werden. An Volkshochschulen werden Fertigkeiten und Techniken der verschiedenen Künste, wie auch traditionelles und zeitgenössisches (Kunst-) Handwerk unterrichtet. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind schöpferisch tätig und setzen sich gestaltend mit sich und ihrer Lebenswelt auseinander. Volkshochschulen bieten einführende Veranstaltungen, experimentelle Intensivworkshops und akademisch angelegte Reihenveranstaltungen. Der Stellenwert künstlerisch-kreativen Umgangs mit digitalen Medien wächst stetig. Als Kursleiterinnen und Kursleiter werden häufig professionelle Künstlerinnen, Künstler und Kulturvermittler mit hoher fachlicher und pädagogischer Kompetenz eingesetzt. Volkshochschulen bieten ihnen eine kontinuierliche Qualitätssicherung und Möglichkeiten zur Weiterbildung.

Erhalt kulturellen Wissens – Kunst und Kultur verstehen
Traditionelles Kunsthandwerk, Brauchtum und kulturelles Wissen werden immer seltener an nachwachsende Generationen weitergegeben. Viele Kenntnisse und Techniken geraten so in Vergessenheit. Zugänge zu den Errungenschaften der Kunst- und Kulturgeschichte sowie zu aktueller, zeitgenössischer Kunst zu schaffen stellt eine weitere Herausforderung dar. Verständnis und Kenntnisse um Kunst und Kultur avancieren zu Expertenwissen. Volkshochschulen bieten ein umfassendes Portfolio an Kunst- und Kulturvermittlung. Zu Veranstaltungen von Theatern, Opern- und Konzerthäusern bieten sie Seminare, Vorträge und Exkursionen mit inhaltlichen Einführungen und Nachbereitungen. Sie eröffnen Blicke hinter die Kulissen künstlerischer Produktionsbetriebe und ermöglichen den Dialog mit Künstlern und Kulturschaffenden. In Museen und Ausstellungen schaffen sie Zugänge zu historischen und zeitgenössischen Werken der Kunst, ihren Produzenten und ihrer Zeit. Volkshochschulen stehen mit der Großzahl der bayerischen Museen in Kooperation und bauen diese Allianzen stetig aus. Regionales Kunst- und Kulturschaffen wird von – zumeist lokal verorteten – Kunst- und Kulturexperten vermittelt. Das Wissen um die künstlerischen und kulturellen Besonderheiten sowie die kulturelle Vielfalt einer Region stärkt die Identifikation der Bevölkerung mit der Region und die Lebensqualität in ihrer Kommune.
Kunst und Kultur für alle
Kulturelle Teilhabe ist Menschenrecht . Die bayerische Verfassung weist den Freistaat als Kulturstaat aus. Das bayerische Gesetz zur Förderung der Erwachsenenbildung (EbföG) hebt den Auftrag zur „Entfaltung schöpferischer Fähigkeiten hervor. Land und Kommunen sind aufgefordert, kulturelle Infrastrukturen zu gewährleisten, Hoch- und Breitenkultur zu fördern und Tradition sowie Innovation gegenüber aufgeschlossen zu sein. Nur Teile der Bevölkerung jedoch nutzen bestehende Angebote. Volkshochschulen entwickeln stetig zielgruppenspezifische Formate weiter, um Menschen aller Milieus für Angebote der Breiten- und Hochkultur zu interessieren. Dabei berücksichtigen sie die Bedürfnisse, Interessen und Themen der Bürgerinnen und Bürger vor Ort. Es existieren spezielle Kulturangebote für Ältere. Zuwanderer werden durch Kursleiterinnen und Kursleiter verschiedener Nationalitäten erreicht, Programme häufig mehrsprachig ausgeschrieben und explizit Kulturangebote aufgenommen, die die zugewanderte Bevölkerung ansprechen. Für Menschen mit körperlichen und / oder kognitiven Handicaps bieten Volkshochschulen gerade im Programmbereich Kultur inklusive Kurse und Seminare und barrierefreie Zugänge.

Volkshochschule als Kompetenzträger für kulturelle Bildungsarbeit
Kommunen erkennen Kunst und Kultur als wichtigen Wirtschaftsfaktor, z. B. durch die Ansiedlung entsprechender Branchen des Kreativsektors, die Förderung des regionalen Tourismus oder die Attraktivität einer Kommune durch künstlerisch-kulturelle Bildungsangebote. In ländlichen Regionen sind Volkshochschulen häufig die einzigen Anbieter fundierter kultureller Bildung. Sie kooperieren mit Kultureinrichtungen in der Region, bilden Netzwerke, bieten lokalen Kunst- und Kulturschaffenden ein Forum und unterstützen neue lokale künstlerische Entwicklung. Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Volkshochschulen, erfahren im Kulturmanagement, prägen das kulturelle Profil einer Region mit.
Soziales Miteinander gewährleisten

Die stark voranschreitende Individualisierung und die Pluralisierung von Interessen lassen in allen gesellschaftlichen Bereichen die Erosion sozialer Verbünde und Netze spürbar werden; flexible Arbeitszeiten erschweren eine regelmäßige Beteiligung an bürgerschaftlich organisierten Angeboten. Volkshochschulen gestalten Kulturangebote flexibel und fördern die Begegnung der Akteure. Gemeinsame künstlerisch-kreative Aktivitäten wirken sozialer Vereinzelung entgegen und führen häufig zu öffentlich dargebotenen Präsentationen. In Chor- und Ensemblekonzerten, Theateraufführungen, Lesungen und Ausstellungen können Bürgerinnen und Bürger sich öffentlich darstellen und aktiv am kulturellen und öffentlichen Leben teilhaben.

Inklusive kulturelle Bildung am BZ Nürnberg
Das Nürnberger Bildungszentrum war 1974 die erste Volkshochschule im deutschsprachigen Raum, die behinderten Menschen die Teilhabe am Erwachsenenbildungsangebot ermöglichte. Nürnberg hat sich frühzeitig für eine inklusive Erwachsenenbildung engagiert: zum einen durch den Abbau der Barrieren für behinderte Menschen im vielfältigen Weiterbildungsangebot, zum andern durch die Öffnung des behinderungsspezifischen Bildungsbereichs für nichtbehinderte Menschen. Insbesondere im Bereich der kulturellen Bildung gelingt es erfolgreich, eine gemein­same Teilnahme von behinderten und nichtbehinderten Menschen zu realisieren. Menschen mit Behinderung besuchen selbstverständlich Literaturkreise, Nähkurse oder Aquarellmalen und umgekehrt nehmen an „für behinderte Menschen besonders geeigneten“ kulturellen Führungen, Musik- und Theatergruppen, Filzkursen oder Steinbildhauerei immer mehr nichtbehinderte Menschen teil. Das Vorgehen ist quantitativ und qualitativ sehr erfolgreich, u. a. weil Menschen mit Behinderung durch die Beantragung und Organisation eines Behindertenfahrdienstes sowie durch eine zusätzlich pädagogische Kursassistenz unterstützt werden. Die Volkshochschulen wollen Inklusion als wegweisende Gesellschaftsvision voranbringen und können dies wegen der großen Gestaltungsfreiheit insbesondere im Bereich von Kultur und Kreativität flexibel und schnell realisieren.

zurück nach oben

Ihre Ansprechpartner
Ruth Jachertz
Tel: +49 89 510 80 40
Elisabetta Mola
Tel: +49 89 510 80 17