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EFQM 2017

01. Dezember 2020

Präsenzkursbetrieb an bayerischen Volkshochschulen untersagt

Pressemitteilung des Bayerischen Volkshochschulverbandes

Integrationskurse, Kurse der Alphabetisierung und Grundbildung sowie der persönlichen, gesellschaftlichen, politischen, sprachlichen, gesundheitlichen und kulturellen Bildung dürfen ausschließlich im Onlinekursbetrieb stattfinden. Ausgenommen sind Kurse der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung.

Es war ein großer Erfolg, dass die außerschulische Bildung mit dem sogenannten „Lockdown-Light“ im November nicht komplett schließen musste: eine Anerkennung im Sinne der ganzheitlichen Bildungsphilosophie der Volkshochschulen, dass Bildung für alle Altersgruppen und auch ohne unmittelbare berufliche Zweckorientierung essentiell ist. Ab dem 1. Dezember und mit der 9. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sieht es anders aus: Der Präsenzbetrieb an den bayerischen Volkshochschulen wird – bis auf Kurse der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung – zunächst bis zum 20.12.2020 eingestellt.

Demnach dürfen sogenannte Berufssprachkurse – also Kurse der berufsbezogenen Deutschsprachförderung, welche sich auf dem höheren Sprachniveau B2 oder C1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER) bewegen – weiterhin in Präsenz stattfinden, da sie zu den Angeboten der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung gezählt werden.

Integrationskurse hingegen, die für Zugewanderte in den meisten Fällen von wesentlicher Bedeutung zur Erstorientierung in Deutschland und folglich auch für die schulische und berufliche Entwicklung hierzulande sind, können mit der Begründung, dass es sich um außerschulische Bildungsangebote handelt, nicht in Präsenzform abgehalten werden.

„Besonders im Bereich der Integrationskurse, aber auch im Bereich der Alphabetisierungs- und Grundbildungskurse sehen wir die behördliche Verordnung äußerst kritisch und als eine große Benachteiligung für die Lernenden“, äußert Dr. Regine Sgodda, Vorstand des Bayerischen Volkshochschulverbandes. „Sowohl für Personen, die über ein sehr niedriges Sprachniveau, eine zu geringe mediale Kompetenz oder eine unzureichende mediale Ausstattung verfügen als auch für Personen, die lern-ungewohnt sind, kann ein Onlinekurs den Unterricht vor Ort nicht einfach so ersetzen. Hinzu kommen familiäre und häusliche Verhältnisse, die ein konzentriertes Lernen oftmals nicht möglich machen“, so Sgodda weiter.

Im November, als die bayerischen Volkshochschulen noch unter strengen Hygieneauflagen geöffnet haben durften, zeigte sich: Bis auf vereinzelte Ausnahmen wurden keine Ansteckungen in den vhs-Kursen gemeldet. „Gerade in diesen Krisen-Zeiten sind Angebote der allgemeinen Erwachsenenbildung und das soziale Miteinander unter sicheren Bedingungen von ganz besonderer Bedeutung“, so Dr. Christian Hörmann, ebenfalls Vorstand des Bayerischen Volkshochschulverbandes.

„Wir haben im Frühjahr gesehen, wie schwierig es ist, den Betrieb nach einer weitgehenden, zweieinhalbmonatigen Schließung wieder hochzufahren. Die flächendeckende vhs-Struktur in Bayern wird zunehmend fragiler: Uns brechen Kursleitende und Räumlichkeiten weg – Strukturen, die über Jahre entstanden sind und sich nicht eben Mal wiederaufbauen lassen. Hinzu kommt die Unsicherheit bei der Kursbuchung und der Vertrauensverlust bei unseren Teilnehmenden, die das Hin und Her langsam satthaben. Wir brauchen eine mittelfristige Perspektive von der Politik, wann wir unserem verfassungsrechtlich verankerten Bildungsauftrag unter sorgsamster Einhaltung der bereits bewährten Hygienevorschriften wieder nachkommen dürfen“, erklärt Hörmann.
Ansprechpartner
Dr. Christian Hörmann
Tel: +49 89 510 80 10
Dr. Regine Sgodda
Tel: +49 89 510 80 11
Lena Pirzer
Tel: +49 89 510 80 49