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EFQM 2017

21. August 2018

Null Toleranz gegenüber Esoterik und Heilsversprechen

Als parteipolitisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängige Bildungsinstitutionen sehen sich Volkshochschulen seit jeher der Tradition der Aufklärung und des humanistischen Bildungsdenkens verpflichtet.

Leitlinie: Positionspapier des bvv von 2015
In Erfüllung ihres öffentlichen Auftrags und der damit verbundenen Verantwortung stehen sie für das Recht auf Bildung, die Möglichkeit, lebenslang lernen zu können und für Chancengleichheit. Sie vermitteln Bürgerinnen und Bürgern Kenntnisse, Fähigkeiten und Orientierung, damit sie die Gesellschaft, in der sie leben, verantwortungsbewusst und erfolgreich mitgestalten können. Die Herausbildung der eigenen kritischen Urteilskraft und die Befähigung zur Distanz stehen hierbei ebenso im Mittelpunkt wie die grundsätzliche Offenheit gegenüber neuen Themen. In einer immer komplexer werdenden Welt erfordert eine thematische Offenheit jedoch zugleich einen aufmerksamen und verantwortungsvollen Umgang mit Themen und Trends, die in Grenzbereichen angesiedelt sind. Esoterische Praktiken, Heilsversprechen und Indoktrination widersprechen dem Grundsatz der Aufklärung, gefährden die Freiheit des Lernens und haben somit keinen Platz an Volkshochschulen.

Aus Anlass eines kritischen Artikels in der Ausgabe 34/2018 des Magazins DER SPIEGEL über in den Augen der Autoren problematische Angebote eines Teil der Volkshochschulen bringt der Bayerische Volkshochschulverband sein bereits 2015 beschlossenes Positionspapier über den verantwortungsvollen Umgang mit Grenzbereichen der Erwachsenenbildung in Erinnerung. Wir legen größten Wert darauf, dass diese Positionen in der alltäglichen Kleinarbeit der Volkshochschulen in die Tat umgesetzt, dass sie gelebt werden. Sollte es zu einzelnen Zweifelsfällen kommen, suchen wir das Gespräch und den kritischen Diskurs. Pauschale Behauptungen, dass die Programme der Volkshochschulen voll von esoterischen Angeboten seien, lehnen wir genauso ab wie die idealistische Vorstellung, es käme nie zu Fehlern und Problemen.

Hier finden Sie das Positionspapier zum Download und Ausdruck


Statement des Deutschen Volkshochschul-Verbands zur SPIEGEL-Veröffentlichung

Der Deutsche Volkshochschul-Verband bedauert, dass es bei knapp 195.000 Kursen im Gesundheitsbereich (vhs-Statistik für 2016) auch inakzeptable Verletzungen der Seriositätsgrenzen gibt, denen sich die Volkshochschulen in Deutschland verpflichtet sehen. In seiner aktuellen Stellungnahme schreibt der DVV: "Wir werden deshalb die SPIEGEL-Berichterstattung zum Anlass nehmen, im engen Zusammenwirken mit dem Bundesarbeitskreis Gesundheit und mit den Landesverbänden der Volkshochschulen in Deutschland erneut auf noch effizientere Qualitätskontrollen hinzuwirken. Wir tun dies vor dem Hintergrund, dass der bei weitem überwiegende Teil der gesundheitsbildenden Volkshochschulangebote seriös geplant und durchgeführt wird. Volkshochschulen erheben den Anspruch, sowohl Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung als auch Kontroversen des wissenschaftlichen Fachdiskurses der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen. Wissenschaftlich erwiesene Evidenz ist natürlich immer ein wichtiges Kriterium für die Berechtigung eines Lerninhaltes in der Gesundheitsbildung an Volkshochschulen. Sie ist aber nicht das alleinige. Ein weiteres Kriterium ist beispielsweise, Menschen Gelegenheit zu geben, sich über unterschiedliche, auch neue und alternative Methoden zu informieren, die öffentlich diskutiert werden (Bildungsauftrag der vhs). Dies soll Interessierte dazu befähigen, sich ein unabhängiges Urteil über komplementäre Ansätze und Methoden in der Gesundheitsförderung und -prävention zu bilden. Über alternativmedizinische Angebote zu informieren, darf freilich nie heißen, sie unkritisch zu propagieren.

Die Feststellung des SPIEGEL lautet, dass in fast jedem vierten Volkshochschulkurs aus dem Bereich Gesundheit ein fragwürdiges alternativ-medizinisches Verfahren gelehrt wird. Dabei werden auch Yoga- und Qigong-Kurse zu den fragwürdigen alternativmedizinischen Verfahren gezählt. Wir halten alternative Methoden wie Yoga oder Qigong nicht nur für vertretbar, sondern für wichtig und sinnvoll, da sie geeignet sind, die individuelle Lust an Bewegung zu fördern und die Fähigkeit zu Selbstwahrnehmung und Entspannung zu stärken. Wir erlauben uns weiter den Hinweis, dass in diesen Kursen traditionelle Praktiken von Weltkulturen vermittelt werden, die mit einer bestimmten Philosophie verbunden sind. Diese auszuklammern wäre nach unserem Bildungsverständnis nicht zulässig. Stellt man diese Kurse aber nicht grundsätzlich als unwissenschaftlich in Frage, sondern wertet sie als einen hilfreichen und wirksamen Beitrag im Rahmen von Fitness und Gesundheitsbildung, dann bricht die Argumentation von einem Viertel fragwürdiger Kurse in sich zusammen. Der Deutsche Volkshochschul-Verband ist sicher, dass das Angebot der Volkshochschulen zu gesunder Ernährung, Bewegung und Entspannung einen wesentlichen Beitrag zu einer gesunden Lebensführung und zur gesundheitlichen Prävention leistet."

Hier können Sie das DVV-Statement vom 20. August 2018 in voller Länge lesen