Login
2021RecognisedbyEFQM3Star

11. Mai 2018

Die Stadt Trikala - Vergangenheit und Zukunft

Das BLUE -Seminar in Trikala war eine simultane Reise in die Vergangenheit und in die Zukunft.

Vergangenheit I

Griechenland - wie es nur wenige kennen: Der Austragungsort des BLUE-Seminars in Trikala (auch „Smart Trikala“ genannt) in der Provinz Thessalien versprach neue und interessante Einblicke in geschichtliche und aktuelle gesellschaftliche Zusammenhänge. Schon die Anreise über die „ewige Nebenbuhlerin der Hauptstadt Athen“, Thessaloniki, zeigte die bedeutsame historische und aktuelle Beziehung zu den türkischen Nachbarn. Mustafa Kemal Atatürk war hier geboren, und jetzt liegt die Stadt auf der Route der Flüchtlinge aus den großen Lagern in der Türkei nach Europa. Erst Anfang des 20 Jh. kam die Stadt und letzte Teile des heutigen Griechenlandes - nach jahrhundertelanger osmanischer Herrschaft, die mit der „griechischen Katastrophe“ endete - wieder unter griechische Verwaltung. Auf diesen „Bruderkonflikt“ werden wir in Griechenland ständig stoßen. Interessanterweise teilten wir uns den Unterricht in der Schule AKETH in Trikala mit zwei türkischen Gruppen - eine aus Istanbul, eine aus dem anatolischen Hinterland - wobei spannend zu sehen war, dass beide sehr entfernt voneinander schienen in Wesen und Verhalten.

Zukunft I

Die digitale Zukunft Griechenlands liegt hinter unscheinbaren Mauern verborgen. Von außen machten weder unsere Schule AKETH, noch die City Hall von Trikala den Eindruck, dass es sich hier um digitale Einrichtungen handelt, die vorbildlich für Europa sind. Von den Lehrerin in AKETH erfuhren wir, dass die Griechen führend in Sachen IT sind, und an vielen großen IT- Innovationen gerade auch in den USA Griechen zentral beteiligt seien. Wir erhielten bei AKETH zuerst eine gute Einführung in das Grundverständnis von e-Learning- und den Vorteilen und Nachteilen verschiedener Lernplattformen, sowie eine tiefergehende Betrachtung der moodle-Plattform (natürlich von einem Griechen erfunden). Wir lernten dabei zuerst einmal zu fokussieren auf das Ziel von e-Learning.

Control_Room.pngDistance Learning gibt es ja schon seit Jahrhunderten, es ist grundsätzlich nichts Neues, nur die Tools dafür ändern sich bzw. werden effizienter und für viele Menschen erreichbarer im Zuge der Digitalisierung. Das Bildungsziel und die zu erreichende Zielgruppe sind zuerst die entscheidenden Kriterien, anhand dessen sich die Wahl der Methoden und der Tools auszurichten haben. Oftmals ist Blended Learning ein guter Weg, also eine Mischung aus Präsenz- und E-Learning. Für die Leitung einer Volkshochschule ist es daher unerlässlich, sich zuerst über die grundlegenden Fragen Gedanken zu machen: Wen will ich erreichen? Was will ich erreichen? Was ist das Ziel? Daraus können dann die einzelnen Mittel, Tools, Plattformen, Mischungen, Didaktiken und Methoden abgeleitet werden. Das kann in jedem Fachbereich oder Projekt anders beantwortet werden. Die Frage stellt sich auch, welche Ressourcen stehen mir als Volkshochschule zur Verfügung? Welche Dozenten lasse ich ausbilden, und mit welchen Inhalten? Zuletzt stellt sich die Frage nach der technischen Verfügbarkeit - welche Plattform ist die geeignetste und wie lässt sich diese im Rahmen der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten umsetzen? Diese Fragen stehen jetzt am Anfang einer digitalen Strategie, die es in der eigenen VHS umzusetzen gilt.

Automat.jpg.1Zukunft II

Für alle Beteiligten beeindruckend waren die digitalen Projekte der Kommune Trikala und die Möglichkeiten, die sie in diesem Rahmen ihren Bürgern bietet. Der „control room“ war ein sichtbares Sinnbild des Fortschritts, der den Bürgern unmittelbar zugutekommt. So konnte live beobachtet werden, wo sich derzeit genau kommunale Fahrzeuge aufhalten oder bewegen. Ein anderer Screen zeichnete die Umweltbelastung verschiedener Parameter im Stadtgebiet auf, ein dritter die jeweilige Nutzung der Flächen der Gemeinde. An einem elektronischen Servicepoint können die Bürger der Stadt eine Reihe von Anliegen automatisiert erledigen lassen oder sich offizielle Dokumente ausdrucken.

Band.jpgVergangenheit II

Am Ende war der Besuch eines Konzertes mit zwei Musikern des Rembetiko ein emotionaler Abschluss der Reise in ein Land, in dem die Tragödien der Vergangenheit schmerzhafte Narben auf der Psyche der Menschen hinterlassen haben. Der „griechische Blues“ Rembetiko erinnert an die vielen Tausenden Toten und an den Verlust der Heimat an der jetzt türkischen Westküste. Eine Musik, in deren Schönheit ein Versuch liegt, den Menschen Linderung und Trost zu verschaffen, ohne zu vergessen. So nah liegen in Griechenland Vergangenheit und Zukunft beieinander.


Bilder & Text: Silvia Engelhardt

Loggen Sie sich ein, um die BLUE-Reisejournale der anderen Teilnehmer*innen aus diesem BLUE-Training im Norden Griechenlands nachzulesen. (Links im Downloadbereich)
Ihre Ansprechpartnerin
Informationen zu Erasmus+