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24. September 2021

Life Skills – Zukunft der Erwachsenenbildung?

Die Zukunftskonferenz fand am 23. und 24. September 2021 in Erfurt statt. Sie wurde im hybriden Format durchgeführt mit live streams für alle, die vor Ort nicht teilnehmen konnten. Hier finden Sie erste Eindrücke von den spannenden Fragestellungen und Diskussionen.


Zum Auftakt der Konferenz verkündete Klara Engels-Perenyi, Policy Officer Adult Skills bei der Europäischen Kommission, dass eine Erneuerte Europäische Agenda für Erwachsenenbildung voraussichtlich noch im November 2021 verabschiedet wird! Dreh- und Angelpunkt einer erneuerten Europäischen Agenda Erwachsenenbildung sind die "Skills for Life" oder auf deutsch die "Kompetenzen für das Leben".

Prof.‘in Silke Schreiber-Barsch, Professur für Erwachsenenbildung an der Universität Duisburg-Essen, beleuchtete im Kontext der Life Skills den spezifischen Beitrag der Erwachsenenbildung für die großen vier europäischen Prioritäten:
  • Digitalisierung
  • Nachhaltigkeit
  • Inklusion
  • Partizipation
Zur Klärung der Begrifflichkeit führte sie "Kompetenz" als eine „Kombination aus Wissen, Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Motiven, Emotionen und moralischer Urteilsfähigkeit“ ein (Straka & Macke 2019, 14).

Zur Frage, wie denn die Kompetenzen für das Leben vermittelt werden könnten, betonte sie die zentrale Bedeutung des Verwertungskontextes, in dem Erwachsene Kompetenzen erwerben wollen oder sollen oder müssen, um handlungsfähig zu bleiben.

Vielleicht kann man zusammenfassen, dass Kompetenzerwerb immer auf die Bewahrung oder Erweiterung der eigenen Handlungsfähigkeit abzielt. Und diese bezieht sich immer auf konkrete Lebensumstände und Lernanlässe.

Der Beitrag von Prof.‘in Silke Schreiber-Barsch bildete den ersten Aufschlag für die Fragen, die sich durch die Konferenz zogen wie ein roter Faden: Was verstehen wir unter den Kompetenzen für das Leben konkret? Und können wir diese Kompetenzen in Lernangeboten für Erwachsene erfolgreich vermitteln? Mut machte ihr Schlusswort, indem sie die Herausforderung ein wenig relativierte: "Skills for Life oder Life Skills… schon immer und auch weiterhin Prämisse und Aufgabenstellung an die Erwachsenen-/Weiterbildung".

Bei der Podiumsdiskussion am Vormittag des 2. Konferenztages bestand Einigkeit darüber, dass den 4K des Lernens: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken künftig eine zentrale Bedeutung für die Gestaltung von Lernangeboten zukommen wird.

Die Lernergebnisorientierung wurde als wichtigste Voraussetzung für Lernangebote benannt, damit Kompetenzvermittlung überhaupt erfolgreich stattfinden kann. Hierfür müssen das konkrete Lerninteresse und der Verwendungszweck von Lernergebnissen aus Sicht der erwachsenen Teilnehmer*innen künftig wohl eine stärkere Berücksichtigung bei der Konzeption und Planung von Lernangeboten finden als bisher.

Schließlich richtete sich die Frage darauf, wie Lehrende aber auch Planende in der Erwachsenenbildung sich auf diese - für viele noch neuartigen - Anforderungen vorbereiten und fortgebildet werden können. Das Erasmus+ Programm bietet für das Bildungspersonal vielversprechende Optionen.

Ein treffsicheres Workshop-Programm ermöglichte die Vertiefung und Konkretisierung der zu Beginn der Konferenz aufgeworfenen Fragestellungen:

1. Digitale Grundbildung (virtueller Workshop)
Die 4K in der Erwachsenenbildung: Kollaboration, kritisches Denken, Kommunikation und Kreativität mit EPALE Botschafterin Dörte Stahl (Lernallee). Die 4K gelten als zentrale Kompetenzen für das Lernen im 21. Jahrhundert. Worin besteht die Herausforderung für die Erwachsenenbildung, um diese Kompetenzen in digitalen Lernangeboten zu implementieren?

2. Partizipation/Citizenship (Workshop vor Ort)
Die aktive Teilhabe an der Gesellschaft setzt bestimmte „Life Skills“ voraus und die Kompetenzen für eine Mitgestaltung von politischen und gesellschaftlichen Prozessen sind dabei vielfältig. Das kritische Hinterfragen von Informationen, ihre richtige Einordnung in einen Gesamtkontext und die Vermeidung von ideologischer Beeinflussung sind einige der Kompetenzen, die für eine aktive Beteiligung wichtig sind.

3. Nachhaltigkeit/umweltbewusstes Handeln (Workshop vor Ort)
Gemeinsam mit dem Nachhaltigkeitszentrum Thüringen wurde auf die life skills im Bereich umweltbewusstes Handeln und Nachhaltigkeit geschaut. Das Nachhaltigkeitszentrum bietet didaktische Spiele, mit denen die Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen vermittelt und die Zusammenhänge zwischen Nachhaltigkeitsthemen spielerisch erkundet werden können. Weiterführende Fragen: Was bedeutet Nachhaltigkeit und umweltbewusstes Handeln für Erwachsenenbildner*innen im Rahmen von europäischen Projekten? Was kann auf individueller Ebene gelöst werden, wo brauchen wir mehr politisches Handeln?

4. Inklusion (Workshop vor Ort)
Das Inklusionsthema ist europäisch ein zentrales Thema und auch zukünftig im Rahmen des Programms Erasmus+ ein Bereich, der an Relevanz deutlich zunimmt. Teilhabe durch Teilnahme an Angeboten der Erwachsenenbildung sollte sich zukünftig stärker in den Einrichtungen der Erwachsenbildung zeigen. Die UN Behindertenrechtskonvention (2006) fordert dies ausdrücklich auch für die Erwachsenenbildung. Was braucht es dazu?

Für die Workshops 1 und 2 finden Sie die Präsentationen zum Download in der Randspalte.


Wir dürfen uns auf die Dokumentation der Zukunftskonferenz mit allen Workshops freuen. Denn sie verspricht wertvolle Impulse für unsere Programm- und Projektplanung!