Login
EFQM 2017

15. Dezember 2015

Leipziger Thesen zur politischen Bildung

Der Bundesarbeitskreis Politik, Gesellschaft und Umwelt im Deutschen Volkshochschul-Verband e.V. hat im Nachgang seiner Bundesplanungstagung Politik 2015 in Leipzig 10 Thesen zur Politischen Bildung an Volkshochschulen formuliert. Zudem wurde eine Argumentation "Forum Volkshochschule - Lernort für Demokratie" verabschiedet.

Beide Dokumente unterstützen die Darstellung der programmatischen Arbeit der Volkshochschulen im Feld der politischen Bildung.
Demokratie braucht Volkshochschulen
  1. Demokratie muss gelernt werden
    Die Entwicklung der demokratischen Gesellschaftsordnung lebt von der Bereitschaft der Menschen, Verantwortung für das Wohlergehen des Ganzen zu übernehmen. Demokratie braucht deshalb informierte, engagierte, urteilsfähige, politisch gebildete und mündige Bürgerinnen und Bürger - sie muss erlernt und immer wieder neu ausgehandelt und gefestigt werden. Als flächendeckend präsente, politisch und konfessionell unabhängige Institutionen in öffentlich verantworteter Trägerschaft sind Volkshochschulen besonders geeignet und besonders gefordert, politische Bildung – insbesondere in kommunalen Zusammenhängen - für alle anzubieten.
  2. Demokratie braucht politische und gesellschaftliche Bildung
    Politische Bildung erfüllt eine öffentliche Aufgabe, die für die Akzeptanz, Stabilität und Zukunft des politisch-gesellschaftlichen Systems von grundlegender Bedeutung ist. Sie trägt dazu bei, dass die Verfassung sowie die demokratischen und rechtsstaatlichen Strukturen der Bundesrepublik mit Leben gefüllt werden. Außerschulische Politische Jugend- und Erwachsenenbildung muss ein fester Bestandteil der politischen Kultur sein und benötigt dafür unabhängige sowie verlässliche Rahmenbedingungen.
  3. Demokratie braucht Engagement
    Politische und gesellschaftliche Bildung an den Volkshochschulen ermutigt Bürgerinnen und Bürger zu politischem und bürgerschaftlichem Engagement in Parteien, Vereinen, Verbänden und Initiativen. Sie fördert demokratische Beteiligung und stärkt die Zivilgesellschaft. Politische Bildung unterstützt die Bürgerinnen und Bürger dabei, eigenständige, urteilsfähige, kritische und engagierte Mitglieder der Gesellschaft zu werden. Ziele sind dabei die Herausbildung eines politischen Bewusstseins, die Anregung zu politischem Handeln sowie zu aktiver, demokratischer Partizipation in Politik und Gesellschaft.
  4. Politische Bildung ist für alle da!
    Die Volkshochschulen sprechen mit ihren Angeboten alle Menschen unabhängig von Herkunft, Nationalität, Bildungsstand, politischer Haltung, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion oder Alter an. Sie fördern die Teilnahme aller am gesellschaftlichen Diskurs und stärken die Fähigkeit des Einzelnen an der demokratischen Willensbildung aktiv teilzunehmen. Gleichzeitig orientieren sich die Volkshochschulen an der UN-Menschenrechtscharta und verurteilen alle Formen nichtdemokratischen, rassistischen und diskriminierenden Gedankenguts.
  5. Politische Bildung ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe – für alle
    Teilnehmerinnen und Teilnehmer nehmen Angebote der Politischen Bildung freiwillig, aktiv und selbstbestimmt wahr. Die Teilnehmerorientierung ist das zentrale didaktische Element der Lehr-Lern-Situation. Die Förderung mündiger, emanzipierter und engagierter Bürger, der enge Sozialraumbezug der Volkshochschulen und ihre Präsenz vor Ort können kommunale Entwicklungsprozesse initiieren und die Bürgerbeteiligung erhöhen.
  6. Politische Bildung verschafft Orientierung und Handlungsfähigkeit in der demokratischen Gesellschaft
    Als Anbieter und Träger von Veranstaltungen zu allen Lebensbereichen werden die Volkshochschulen oft als Spiegel der Gesellschaft gesehen. Dementsprechend verändert und aktualisiert sich ihr Programm mit den sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen und den Anforderungen der Menschen vor Ort. Mit ihren Angeboten zur Allgemeinbildung vermitteln die Volkshochschulen demokratische Werte, Prinzipien und Ideen. Sie weisen auf drängende politische Gestaltungsaufgaben hin, informieren über komplexe Strukturen, Prozesse und Interessen und ermöglichen Orientierung und Handlungsfähigkeit.
  7. Politische Bildung wirkt der zunehmenden Entdemokratisierung und Politikverdrossenheit entgegen
    Die Förderung des Verständnisses von Demokratie als Staats- und Lebensform sowie die Befähigung zur kritischen Reflexion machen strukturelle Entdemokratisierung sichtbar und wirken ihr zugleich entgegen. Die Bildungsangebote der Volkshochschulen setzen dabei umfassend entlang der individuellen Bildungsbiografie an. Sie schaffen Bewusstsein für politische Prozesse und befähigen zur Beteiligung.
  8. Politische Bildung ist international und individuell
    Politische Bildung muss das Verständnis und die historische Verantwortung für Europa im Kontext der weltweiten Entwicklungen permanent vermitteln. Gefühle der Entfremdung von politischen Prozessen und Angst vor einer sich rasant verändernden und globalisierten Welt aufgreifend, kann Politische Bildung Zusammenhänge verständlich machen und Handlungsoptionen aufzeigen. Hierbei bedarf es der Auseinandersetzung auf allen Ebenen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Kontext des globalen Lernens.
  9. Politische Bildung braucht Unterstützung
    Weiterbildung folgt einem klaren gesellschaftlichen Auftrag und leistet grundlegende Arbeit für das Zusammenleben und die aktive Gestaltung der demokratischen Gesellschaft. Sie fördert demokratische Werthaltungen, Toleranz, Integration und Inklusion. Volkshochschulen verfügen wie kaum eine andere Bildungseinrichtung über Zugänge und Möglichkeiten einer an den Teilnehmerinnen und Teilnehmern enden orientierten Angebotsgestaltung, die für eine bürgernahe Politische und gesellschaftliche Bildung essenziell sind. Diese Arbeit benötigt entsprechende Strukturen, professionelle Mitarbeitende, geeignete Räume und eine langfristige Ressourcensicherung, um nachhaltig und verlässlich wirken zu können.
  10. Die Volkshochschulen unterstützen bei gesellschaftlichen Herausforderungen
    Mit ihrem politischen Bildungsangebot reagieren die Volkshochschulen auf aktuelle gesellschaftliche Anforderungen, wie sie sich derzeit z. B. aus den steigenden Migrationsbewegungen ergeben. Die Unterstützung der Integration von Zugewanderten sowie die Sensibilisierung der Bevölkerung für Diversität und kulturelle Vielfalt folgen dem Anspruch, das Verständnis für soziale und politische Prozesse und Zusammenhänge zu verbessern, um die Teilhabe und Mitsprache aller zu fördern. Volkshochschulen können hierbei als politisch und konfessionell neutrale Orte der Moderation und Mediation gegensätzlicher Standpunkte dienen.


BAK Politik – Gesellschaft – Umwelt Stand Dezember 2015

Ihre Ansprechpartnerin
Ruth Jachertz
Tel: +49 89 510 80 40