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EFQM 2017

18. September 2014

Interview mit Prof. Dr. Klaus Meisel

Die bvv-Webredaktion sprach mit dem 1. Vorsitzenden des Bayerischen Volkshochschulverbands, Prof. Dr. Klaus Meisel, über Angebotsqualität.



Webredaktion: Die aktuelle Kampagne der Münchner Volkshochschule wirbt auf Plakaten in acht Sprachen damit, dass Volkshochschule „Offen für alle“ ist. Ihr Kommentar auf der Pressekonferenz Anfang September, dass das keineswegs gleichzusetzen sei mit „Offen für alles“ ist ja ganz bestimmt nicht nur ein Wortspiel.
Klaus Meisel: In der Tat ist es mir sehr ernst mit dieser Aussage. Ich halte es für notwendig, dass wir diese Formulierung in unserem Verband stark beachten. „Ihren Bildungsauftrag“, so heißt es im vom Deutschen Volkshochschul-Verband herausgegebenen Grundsatzpapier, „leiten die Volkshochschulen aus den Prinzipien der Aufklärung und den universalen Menschenrechten ab. Sie stehen für das Recht auf Bildung, die Möglichkeit, lebenslang lernen zu können und für Chancengerechtigkeit.“ Auch der Bayerische Volkshochschulverband erhebt in seinen Grundsätzen ganz klar den Anspruch, den Bürgerinnen und Bürgern Kenntnisse, Fähigkeiten und Orientierung zu vermitteln, damit sie die Gesellschaft, in der sie leben, verantwortungsbewusst und erfolgreich mit gestalten können. Die Volkshochschulen unterstützen mit ihrem Bildungsangebot die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei, ihre eigene Urteilskraft herauszubilden. Nicht umsonst gehört die parteipolitische, konfessionelle und weltanschauliche Unabhängigkeit deshalb zu den Grundmaximen der gesamten vhs-Arbeit.

Webredaktion: Indoktrination jeglicher Form hat keinen Platz an der Volkshochschule, haben Sie in der letzten Landestagung des bvv 2014 formuliert. Gilt dies auch für esoterische Ideen?
Klaus Meisel: Nach meiner Auffassung auf jeden Fall. Indoktrination und Esoterik haben, abgesehen von der kritischen Auseinandersetzung damit, im Bildungsangebot der Volkshochschulen nichts zu suchen. Esoterische Lehren und spekulative Verfahren, die sich einer transparenten, wissenschaftlichen Begründung und diskursiven Auseinandersetzung entziehen, sind unvereinbar mit unserem öffentlichen Bildungsauftrag.

Webredaktion: Gibt es Richtlinien und Hilfestellungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Themen und Trends, die in Grenzbereichen angesiedelt sind?
Klaus Meisel: Die bayerischen Volkshochschulen haben sich schon immer von esoterischen Angeboten distanziert. Esoterische Bildungsangebote weisen im Regelfall eindeutige Merkmale auf. Spekulative Verfahren ohne Wirkungsnachweis, Heilsversprechungen, der Anspruch auf ein Wahrheitsmonopol, das Angebot von vermeintlichen Werkzeugen für Prophetie und anderes entziehen sich einem rationalen Wissenschaftsverständnis, so haben es in etwa auch die Wiener Kolleginnen und Kollegen formuliert. Ein solches Angebot hat, ich sage es noch einmal, an unseren Volkshochschulen nichts zu suchen.

Webredaktion: Werden Sie vonseiten des bvv-Vorstands hier weitere Aktivitäten entfalten?
Klaus Meisel: Es reicht nicht aus, allein vorhandene Beschlüsse zu bestätigen. Im Rahmen unserer Qualitätsanstrengungen ist das Thema beispielsweise anhand unserer Qualitätstools im Programmbereich Gesellschaft und in der Gesundheitsbildung immer wieder neu zu diskutieren. Nach außen müssen wir kommunizieren, was wir schon haben: die Bereitschaft zur kritischen Reflexion, unsere Qualitätsstandards bei der Kursleiterqualifikation, die Zulassung externer Evaluationen, teilweise auch die externe fachliche Beratung. In unseren Tagungen, Konferenzen sowie der Dozenten- und Mitarbeiterfortbildung muss das Thema integraler Bestandteil sein. Wir geben unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Qualitätsversprechen – das ist kein Blankoscheck, der muss immer wieder durch unsere Qualitätsanstrengungen gedeckt werden.

Webredaktion: Vielen Dank für Ihre klaren Worte und weiterhin viel Erfolg!
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