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EFQM 2017

24. April 2018

Kurzbericht über die AlphaDekade Konferenz 2018

Hier finden Sie kurze Mitschriften ausgewählter Beiträge und weiterführende Links

Zugänge schaffen – Bericht über die AlphaDekade Konferenz am 24./25. April

Die Konferenz der AlphaDekade 2016-2026 fand am 24./25. April 2018 mit mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Besenbinderhof in Hamburg statt. Die Dokumentation der Konferenz erwarten wir zeitnah. Eine erste Nachlese finden Sie im Portal der AlphaDekade: http://vhs.link/ZJQwfF


Als neue Partner der AlphaDekade 2016-2026 haben sich der AOK Bundesverband, die Bundesarbeitsgemeinschaft ARBEIT und LEBEN und der Internationale Bund im Rahmen der Konferenz 2018 vorgestellt.


Die Konferenz zeigte deutlich auf, welche Weiterentwicklungen in der Alphabetisierung und Grundbildung in den letzten Jahren stattgefunden haben und für die Zukunft erwartet werden. Über einige der behandelten Themen möchten wir hier beispielhaft berichten.

Digitale Bildung
Die Konferenz beleuchtete mit Impulsvorträgen und Foren die Relevanz der digitalen Bildung für die Alphabetisierung. Die Juniorprofessorin Dr. Ilka Koppel stellte die Befunde zu den Gelingensbedingungen für den Einsatz digitaler Diagnose- und Förderinstrumente aus dem Forschungsprojekt GECO der PH Weingarten vor, das mit Unterstützung der zentralen Forschungsförderung der Universität Bremen durchgeführt wurde. Eine nicht überraschende Erkenntnis lautet, dass Medien immer dann lernfördernd wirken, wenn sie zum selbstverständlichen Alltagsbestandteil gehören und selbständig genutzt werden können. Besonders motivierend wirkt z.B. auf Seiten der Lernenden das unmittelbare Feedback bei digitalen Aufgaben und Übungen.
Auf Seiten der Lehrenden stellen sich derzeit noch besondere Herausforderungen im Hinblick auf die Ausstattungen in den Bildungseinrichtungen, die i. d. R. noch nicht den technischen Anforderungen genügen, um digitale Medien tatsächlich in den Unterricht integrieren zu können. Hier stellt sich die dringende Frage nach einer institutionellen Förderung. Als weiteres Hemmnis, so einer der Befunde aus dem Projekt, besteht bei den Lehrenden der sehr hohe Selbstanspruch, digitale Lernmedien bis ins Detail beherrschen zu müssen, um erfolgreich unterrichten zu können. Dieser Anspruch besteht für den Einsatz und die Verwendung analoger Lehr- und Lernbücher nicht. Für den Umgang mit digitalen Unterrichtsmedien sind mehr Mut zur Lücke, Gelassenheit und Souveränität gefragt. Und ganz im Sinne kooperativer Lernformen auch die Bereitschaft der Lehrenden, die Verantwortung für das individuelle und das Lernen in der Gruppe den Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu übertragen.
  • Weiterführender Link zu den Ergebnissen des Forschungsprojektes GECO auf pedocs im Magazin Erwachsenenbildung.at: http://vhs.link/yj975g
Zugänge für Grundbildung
Die Annahme, dass niederschwellige Lern-und Beratungsangeboten allein schon deshalb den Zugang erleichtern, weil sie nur geringen Aufwand für ihre Inanspruchnahme erfordern, hat sich in den letzten Jahren nicht bestätigt. Prof. Dr. Helmut Bremer, Universität Duisburg-Essen, arbeitete in seinem Impulsvortrag klar heraus, dass Angebote für Lesen, Schreiben und Rechnen für die adressierten Lernerinnen und Lerner im Kontext ihrer eigenen Lebenssituation relevant sein müssen, um sie für eine Teilnahme motivieren und aktivieren zu können. Lern- und Bildungsbedürfnisse sind demnach da aufzugreifen, wo sie entstehen und so zu konzipieren, dass sie für die Lernenden unmittelbar von Nutzen sind. Sozialraumorientierung, interdisziplinäre, situations- und problembezogene und handlungsorientierte Zuschnitte von Lernangeboten bieten realistische Perspektiven für die Verbesserung der Zugänglichkeit von Grundbildungsangeboten.
  • Weiterführender Link zu einem Interview mit Prof. Bremer zum Thema „Netzwerke erleichtern den Zugang zu 'bildungsfernen' Zielgruppen“: http://vhs.link/7bXTYm
Grundbildungsstrukturen aus internationaler Sicht
Im Rahmen der „Tischgespräche“ zum Ende der Konferenz beleuchtete Prof. Dr. Anke Grotlüschen, Universität Hamburg, in eindrucksvoller Kürze strukturelle Aspekte der Grundbildung im internationalen Vergleich und skizzierte relevante Entwicklungen anhand von Befunden der PIAAC Studie und des EU-weiten AES - Adult Education Survey). Zwar existiert weder international noch europaweit eine einheitliche Begriffsbestimmung für Grundbildung, doch grob umrissen wird „adult basic education“ in den meisten Ländern in den drei Bereichen Integration, politische Orientierung und zweiter Bildungsweg verortet. Anders als in Deutschland ist Grundbildung im internationalen Vergleich stärker an Lehrgangssystemen orientiert, die Übergänge zwischen den Systemen Bildung und Arbeit strukturieren.
Ihren Beitrag zu den Grundbildungsstrukturen leitete Prof. Grotlüschen sinngemäß mit dem Statement ein, dass unverbindliche und niederschwellig organisierte Lernangebote zwar erforderlich sind im Hinblick auf die Zugänglichkeit, dass Grundbildung aber auch den Anschluss an die non-formale Weiterbildung und den Übergang in berufliche Bildungswege leisten muss. Dabei geht es nicht um einen strukturellen Widerspruch zwischen offenen Lernformaten und Lehrgangssystemen, sondern um die Anschlussfähigkeit und ganz konkret um die weitere Ausgestaltung der bisher in Deutschland nur schwach strukturierten Brückenfunktion, die Alphabetisierung und Grundbildung z.B. für den Zugang zum zweiten Bildungsweg erfüllen.
  • Link zum AES-Trendbericht „Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2016“: http://vhs.link/r8jZK9
  • Link zum AES auf dem Eurostat Server: Beschreibung und erhobene Daten der Jahre 2007, 2011 und 2016 über die Teilnahme Erwachsener an Bildung und Weiterbildung: http://vhs.link/hHmXg9
  • Link zur PIAAC Studie bei der OECD: http://www.oecd.org/skills/piaac/
  • Link zu einem interessanten Artikel „Politische Grundbildung – Theoretische und empirische Annäherungen“, Grotlüschen 2016: http://vhs.link/jHrpd2
Ihre Ansprechpartnerin
Hella Krusche
Tel: +49 89 510 80 34